Thema

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Nadelobjekte

 

 

Wesentliches Kriterium zeitgenössischer Kunstwerke ist nicht nur, dass sie dazu animieren, das Bekannte auf andere als auf die vertraute Weise wahrzunehmen, sondern auch, dass der Künstler bekannte, vertraute Materialien und Techniken auf ungewohnte verborgene Potenzen und Perspektiven hin untersucht und sich bei solchen Recherchen auch selbst überraschen lässt. Er betritt Neuland, entdeckt Neues und erfährt Neues indem er Neues erzeugt. Neues, das aber gerade dadurch fasziniert, dass es sich vertrautem, womöglich höchst simplem Ursprung verdankt.

Hans Gercke (aus Katalog: days like these, jongsuk yoon, 2004)

 

 

 

Statements

Angelika M.Schäfer visualisiert ihre Gedanken und Eindrücke, die entstehen, indem sie mit der Funktion und Wirkung ihrer Werkzeuge und Materialien spielt. Mit Nadeln, Garn und dem spärlichen Einsatz weniger Farbtöne gestaltet sie einen  Objekt- und Bildkosmos, der durch Einfachheit von Strukturen, wie durch die absolute Sensibilität der Oberfläche besticht. Nadeln erhalten hier Raum,  Bilder zu malen: Ungegenständliches, Zeichenhaftes, wiederkehrende Reihungen aus Fäden, Nadeln und Lochspuren. Dies alles erinnert an die strukturelle Ordnung des textilen Gewebes oder an Wörter, Texte und Textbilder.   Durch Veränderung der Perspektive zeichnen Nadeln Schatten und erwecken den Eindruck von Strichzeichnungen, malen andere Bilder einer neuen Dimension, füllen das ganze Bild, gehen darüber hinaus.            

 

 

 

In den Objekten von Angelika M. Schäfer gehen insbesondere seit den frühen 1990er Jahren Nadeln und Textilien eine enge Verbindung ein. Die unverwechselbar spitzen Metallgegenstände, die man gemeinhin zwischen Stechschmerz und traditioneller Frauenarbeit, zwischen hoch glänzendem Kultur- bzw. Industrieprodukt und zum Wegwerfen bestimmten Gebrauchsgegenständen verortet, durchdrangen zunächst einmal gewebte Stoffe, um quasi experimentell auf ihre unterschiedlichsten Variationsmöglichkeiten hin überprüft zuwerden. (...)

(Dr. Eckard Trox (Museen Lüdenscheid)

 

Die Affinität zur Nadel wie zu den textilen Materialien, die ebenfalls Eingang in ihre Kunst fanden, wurzelt in der ursprünglichen beruflichen Tätigkeit der Künstlerin als ausgebildete Bildweberin und Textildesignerin. In dem Griff zur Nadel offenbart sich aber auch auf besondere Weise die Verbundenheit der gebürtigen Siegenerin mit ihrer Wahlheimat Iserlohn, in der Nadeln das Industrieprodukt der vergangenen 200 Jahre schlechthin waren. (...)                                         (Dr. Agnes Zelck, Deutsches Drahtmuseum) 

 

 

 

Diese Bühne, also einen Ort der Kommunikation, beschreibt Angelika Schäfer mit den unterschiedlichsten Bildern. Sie nutzt die Nadeln selbst, um wunderschöne, poetische Assoziationen zu erzeugen, in diesen Objekten, die Nadeln Raum geben, Bilder zu malen, mit Hilfe von Licht und Schatten. „Lichtzeichen“ heißt ein Objekt, in dem weiß bemalte Kupfernadeln in strenger Ordnung das obere Drittel der Leinwand bevölkern. Je nach Lichteinstrahlung und nach Winkel der Einstrahlung malen die vielen kleinen Nadelstriche andere Bilder, füllen das ganze Bild, gehen darüber hinaus. In einer Arbeit hat Angelika Schäfer die Nadeln in einer Wellenform angeordnet, die spannende Bewegung schafft, in einer anderen kann man den optischen um einen akustischen und einen haptischen Eindruck erweitern, also synästhetische Erfahrungen machen, indem man mit der Hand vorsichtig über die locker angeordneten Nadeln streicht und sie zum Klingen bringt. Sie stellt uns also, wenn man so will, mit ihren Objekten einen konkreten Erfahrungsraum vor.  (...)  

 

Ihre Arbeiten schaffen auch Präsentationsorte für Schrift und Text, eben jene andere Dimension der Textur. Das Zeichen, das Wort, das Gespräch, sie erobern den Bildraum.  

                                    Dr. Gunhild Müller-Zimmermann, Kulturredaktion Siegener Zeitung)